Babel. Un mot, un geste

Ausgangssituation

Gemäß der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte muss jedem das Recht auf Kultur und auf Teilnahme am kulturellen Leben garantiert werden. Es ist jedoch nicht selbstverständlich, ein Theaterstück oder ein Konzert zu besuchen, wenn man eine Hörschädigung hat. In Luxemburg gibt es nur sehr wenige kulturelle Angebote (Theater, Konzerte, Kino usw.), die an die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit einer Hörschädigung angepasst sind, wodurch diese von einem ganzen Bereich unseres sozialen Lebens ausgeschlossen sind.

Für Kinder und Jugendliche ist die Situation noch schwieriger, da eine Einführung in die Welt des Theaters und der darstellenden Künste nicht ohne entsprechende Übersetzungen in Gebärdensprache möglich ist. Den Kindern und Jugendlichen mit einer Hörschädigung bleibt somit von klein auf ihr Recht verwehrt, sich mit (gesprochener) Kunst und Kultur vertraut zu machen, was eine deutliche Benachteiligung im Vergleich zu anderen jungen Menschen darstellt. Die Einführung in die Welt des Theaters und der Kultur ab dem frühesten Kindesalter ist ganz wichtig, ein Angebot in diesem Bereich für die jungen Menschen in Luxemburg jedoch quasi nicht vorhanden.

So scheint es in Luxemburg kaum spezielle Plattformen zu geben, die Menschen mit und ohne Hörschädigung zusammenbringen, und die Einbeziehung Hörgeschädigter in die Aktivitäten des täglichen Lebens wird zu einer grundlegenden Aufgabe von großer Bedeutung. Denn diesen muss unbedingt Gehör verschafft werden und wir möchten ihnen über die Kunst und die Kultur eine Plattform bieten.

Beschreibung

Um es Menschen mit einer Hörschädigung zu ermöglichen, das kulturelle Angebot in unseren Institutionen umfassend zu nutzen, möchten wir eine Reihe von künstlerischen Projekten durchführen, bei denen Gebärdensprache verwendet wird. Mit einem speziellen Rahmenprogramm möchten wir Zusammenschlüsse und Begegnungen zwischen Hörenden und Menschen mit einer Hörschädigung fördern.

Insgesamt wollen wir erreichen, dass der Übersetzung für Hörgeschädigte in den kulturellen Institutionen Luxemburgs dauerhaft ein Platz eingeräumt wird. In diesem Sinne ist unser Projekt erst der Anfang einer langfristigen Sensibilisierungsarbeit.

Teil 1: Szenische Lesung für Jugendliche, mit Verdolmetschung in Gebärdensprache

Dieses Projekt bewegt sich zwischen Lesung und Theateradaption und richtet sich an Jugendliche mit oder ohne Hörschädigung. Die Lesung wird von einem Musiker auf der Bühne begleitet und der Text und die Musik werden in Gebärdensprache übersetzt. Wir planen öffentliche Vorstellungen und Aufführungen in Schulen und es ist uns wichtig, ein gemischtes Publikum aus Hörenden und Hörgeschädigten zu versammeln. Außerdem werden wir ein Rahmenprogramm (Konferenz oder Workshop) rund um diese Veranstaltung planen.

Teil 2: Ausbau des Angebots über drei andere kulturelle Einrichtungen

Wir möchten die anderen kulturellen Einrichtungen dahingehend sensibilisieren, dass sie sich der Problematik der Schwerhörigkeit öffnen und die entsprechenden besonderen Bedürfnisse in ihrer Programmgestaltung berücksichtigen. In diesem Zusammenhang stehen wir hinsichtlich der Veranstaltung eines Konzerts mit Übersetzung in Gebärdensprache derzeit mit der Schungfabrik in Kayl in Kontakt, außerdem mit dem Kasemattentheater und dem Nationalen Literaturzentrum in Bezug auf die Durchführung einer Lesung für Erwachsene in Gebärdensprache.

Teil 3: Rahmenprogramm mit Vorträgen und Workshops

Gleichzeitig möchten wir sensibilisieren und die breite Öffentlichkeit und das eingeweihte Publikum zusammenbringen, indem wir ein Rahmenprogramm mit Vorträgen und Workshops organisieren, die mit den konkreten Bühnenprojekten in Verbindung stehen. Sensibilisierung und Akzeptanz lassen sich nur über gegenseitiges Verständnis und Respekt füreinander erreichen.

Ziele

Mit diesem Projekt möchten wir Hörgeschädigten Zugang zu verschiedenen Formen der Kunst verschaffen, indem wir die Gebärdensprache in den künstlerischen Prozess integrieren. Wir sind der Ansicht, dass es in unserer Verantwortung liegt, ein künstlerisches Programm anzubieten, zu dem jeder Zugang hat, also auch Menschen mit einer Hörschädigung.

Mit unserem Rahmenprogramm, das eine Vortrags- und Workshopreihe umfasst, wollen wir bei Entscheidungsträgern sowie in der breiten Öffentlichkeit Bewusstsein für die Problematik dieses Handicaps schaffen und eine Plattform bieten, die zusammenführt und einen konstruktiven Austausch ermöglicht. Unser Ziel ist es, Teile der Bevölkerung zusammenzubringen, die im alltäglichen Leben „nicht miteinander sprechen“, und die Kultur ist ein wunderbares Mittel, um Menschen zusammenzuführen und einander näherzubringen. Mit all diesen Projekten möchten wir zu einem besseren Verständnis für den anderen und für das, was uns unterscheidet, beitragen. Indem wir einem Teil der Bevölkerung Zugang zur Kultur ermöglichen, der oft davon ausgeschlossen ist (mangels einer entsprechenden Übersetzung), sorgen wir dafür, dass die verschiedenen Akteure des sozialen Lebens gemeinsam zu einer Veranstaltung zusammenkommen können, ohne dass einer gegenüber dem anderen benachteiligt würde.

Langfristig gesehen möchten wir erreichen, dass die Gebärdensprache in den kulturellen Einrichtungen einen festen Platz erhält und sie zu einer Selbstverständlichkeit wird, sodass die künstlerischen Darstellungen für Hörgeschädigte problemlos zugänglich sind.

In diesem Sinne ist mit diesem Projekt auch ein politisches Ziel verbunden; es wird an Entscheidungsträger appelliert und deutlich gemacht, dass Menschen mit Hörschädigung der Zugang zum kulturellen Leben dauerhaft garantiert sein muss.

Zielgruppe

  • Kinder und Jugendliche mit und ohne Hörschädigung
  • Erwachsene mit und ohne Hörschädigung
  • Eltern, Pädagogen (...)
  • Breite Öffentlichkeit
  • Entscheidungsträger (Politik)
  • Lehrkräfte (wir planen, Vorstellungen in Schulen zu organisieren)

Partner

  • Bestätigte Partner: Solidarität mit Hörgeschädigten a.s.b.l., Schungfabrik Kayl, Kasemattentheater, Nationales Literaturzentrum
  • Geplante Partner: Wir möchten eng mit Schulen und Lehrkräften der Region zusammenarbeiten (Grundschulen und/oder weiterführende Schulen, Förderschulsystem EDIFF …) sowie mit lokalen Vereinen, die in sozialen Bereichen tätig sind (insbesondere in Bezug auf Behinderung).

 

Periode
LEADER 2014-2020
Projektstatus
in umsetzung
Projektträger
Mierscher Kulturhaus a.s.b.l.
Dauer
Juni 2017 - Dezember 2018
Budget
10.850 €
Kategorie
Bildung & Beratung
Chancengleichheit
Jugend
Kultur
Soziales
Freizeit
Kontakt
Mierscher Kulturhaus a.s.b.l.
53, rue G.-D. Charlotte
L-7520
Mersch


+352 26 32 43-1